Innere Heilung: Warum Du kein Sanierungsobjekt bist

Innere Heilung: Warum Du kein Sanierungsobjekt bist

Psychologie trifft Spiritualität | 0 Kommentare

Vielleicht hast Du in Deinem Leben schon mal eine Städtereise gemacht. Egal ob Köln, Berlin oder Frankfurt – irgendwo hat es Dich hingezogen und Du dachtest: „Oh ja, das mache ich am besten in der Gruppe.“

Gemeinsam schlendert Ihr gemütlich durch die Fußgängerzone. Es ist ein ganz normaler Wochentag, die Menschen eilen an Euch vorbei – ein ganz normales Gewusel eben. Und plötzlich, aus irgendeiner Laune heraus, habt Ihr Lust auf ein kleines Experiment. Jemand aus der Gruppe zückt das Handy, schaltet die Sprachmemo oder die Kamera ein, und Ihr lauft los, um Passanten zu interviewen.

Vorab stellt sich natürlich die spannende Frage: Welche Frage stellen wir überhaupt? Ihr einigt Euch schließlich auf diese:

„Was müsste sich in Deinem Leben verändern, damit Du ab morgen absolut glücklich bist?“

Das Experiment: Auf der Suche nach dem Glück

Ihr tapert also los und einer von Euch – nämlich DU – spricht einen älteren Herrn mit Hut, einem Dackel an der Leine in der einen und Einkaufstüten in der anderen Hand, an – ein absolutes Klischee, ich weiß 😉.

Du fragst ihn höflich: „Entschuldigen Sie bitte, dürfen wir Ihnen ganz kurz eine Frage stellen?“ Er nickt: „Ja, klar.“ Doch als Du ihm die Frage nach dem absoluten Glück stellst, stutzt er.

Was glaubst Du, was die meisten Menschen auf so eine Frage antworten? Die wenigsten würden sagen: „Nichts, alles ist perfekt, ich fühle mich rundum wohl.“ Ein Großteil wäre erst einmal überrumpelt, würde kurz nachdenken, vielleicht schmunzeln und dann Sätze sagen wie:

  • „Na ja, da fehlt schon noch was.“

  • „Fertig bin ich noch lange nicht.“

  • „Ich habe da schon noch einige Baustellen in meinem Leben…“

Viele Menschen haben das Gefühl, sie müssten ständig etwas an sich reparieren. Sie glauben fest daran, dass es ihnen erst dann besser geht, wenn sie all das erledigt haben, was sie glauben, erledigen zu müssen.

Betrachtest Du Dich als Sanierungsobjekt?

Das musst Du Dir wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen und Dich selbst fragen: Wie oft hast Du schon gedacht, dass Du Dich noch weiter optimieren müsstest?

Wir betrachten uns erschreckend oft als reines Sanierungsobjekt. Um solche Antworten zu bekommen, hätten wir die Passanten auf der Straße genauso gut fragen können:

„Sagen Sie mal, fühlen Sie sich eigentlich als Mängelexemplar? Was ist denn bei Ihnen alles kaputt? Glauben Sie, da besteht noch Hoffnung oder können Sie da noch was reparieren?“

Es ist komplett verrückt! Natürlich würden wir das so niemals laut fragen – aber genau so denken wir insgeheim über uns selbst. Wir finden diese Denkweise sogar völlig normal. Wir haben uns kollektiv so sehr daran gewöhnt, uns wie ein sanierungsbedürftiges Reihenhaus aus den 70er-Jahren zu betrachten. Die Fassade muss neu, das Dach isoliert und im Keller tröpfelt auch schon wieder das Wasser rein

Wir rennen von Workshop zu Workshop, von Buch zu Buch, wälzen Ratgeber und optimieren uns buchstäblich zu Tode. Und ganz wichtig: All das habe ich selbst auch getan und tue es immer wieder mal. Ich glaube, das gehört zum Menschsein dazu: Experimentieren, entdecken, suchen und neue Fragen stellen, um glücklicher zu sein.

Rebellion oder Funktionieren? Die Heldenreise der Seele

An dieser Stelle muss ich an ein wundervolles Buch denken, das ich als Jugendliche geliebt habe: Der Trotzkopf. Vielleicht kennst Du es ja auch. Die Hauptfigur Ilse war anfangs total rebellisch und wollte sich nicht in die feine Gesellschaft einfügen. Also wurde sie ins Internat gesteckt, um „zurechtgebogen“ zu werden.

Heute verstehe ich viel besser, warum mich diese Geschichte nie losgelassen hat. Sie ist ein perfektes Bild für die Heldenreise, die jeder von uns gebucht hat, sobald er hier auf der Erde inkarniert. Es geht immer wieder um die fundamentale Frage:

Rebellieren oder funktionieren?

Stell Dir in einem Gedankenexperiment einmal vor: Was wäre, wenn wir alle ursprünglich aus einer absoluten Einheit kommen – manche nennen es Himmel, Quelle, Ursprung oder einfach pure Liebe? Wir inkarnieren hier, gehen durch den Schleier des Vergessens und landen in der Dualität.

Und hier empfängt uns das Leben mit:

  • Jede Menge Regeln und Erwartungen

  • Einem riesigen Katalog voller Bewertungen, wie die Dinge zu laufen haben

  • Völlig unterschiedlichen Ausgangsbedingungen

Sich in dieser scheinbar getrennten Welt zurechtzufinden, ist echt hart. Also versuchen wir, uns in das enge Korsett der Welt hineinzuquetschen. Nahtoderfahrene berichten oft, wie befreiend es war, aus diesem engen „Erdenkleid“ auszusteigen, und wie schwer es war, wieder hineinzumüssen.

Der innere „Trotzkopf“ in uns ist dieser wilde Seelenanteil, der einfach nur frei leben will. Er wehrt sich anfangs mit Händen und Füßen gegen das, was ihm übergestülpt wird. Es ist der stumme Schrei der Seele, die sagt: „Das, was ich hier gerade lebe, das bin eigentlich gar nicht ich!“ Aber irgendwann bricht bei vielen der Widerstand und wir glauben, wir selbst wären das Problem.

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Die Last der Anpassung

Vor einiger Zeit saß eine Frau bei mir in der Praxis – nennen wir sie Anna. Sie ist sehr erfolgreich, hat einen tollen Beruf, einen liebevollen Mann, zwei Kinder, ein Haus und einen Garten. Von außen betrachtet ein klassischer Fall von: „Die hat doch alles, was hat die eigentlich für Probleme?“

Und dann sagte sie diesen einen Satz zu mir, den so viele von uns kennen:

„Jeanette, ich glaube, mit mir stimmt irgendwas nicht.“

Sie merkte, dass sie mit ihren Ansichten über das Leben, die Liebe und die Kindererziehung überall aneckt und sich unverstanden fühlt. Wenn Du mir schon länger folgst, kennst Du diesen Gedanken bestimmt auch. Er taucht immer dann auf, wenn wir uns im Dickicht der Dualität verrannt haben und uns erschöpft fragen: „Was muss ich noch tun, um endlich geliebt zu sein?“

Doch je länger ich mit Anna sprach, desto klarer wurde mir: Mit ihr stimmt alles ganz wunderbar. Sie versuchte lediglich seit Jahren verzweifelt, jemand zu sein, der sie gar nicht ist. Und genau das hat sie so unendlich müde gemacht.

Auf meinem Whiteboard in der Praxis steht deshalb ganz oft das Wort: Verkappte Rebellin oder verdeckter Rebell.

Du bist ein unzerstörbares Original

Vielleicht beginnt Heilung gar nicht damit, dass Du ein neuerer, besserer, reparierterer Mensch werden musst. Vielleicht darfst Du heute einfach erkennen, dass Du aufhören darfst, ständig jemand anderes sein zu wollen.

So wie Du bist, bist Du gewollt. So wie Du bist, bist Du perfekt gedacht.

Wenn Du erkennst, dass mit Dir im Kern gar nichts verkehrt ist, verfliegt diese tiefe Erschöpfung und Du tankst wieder echte Kraft. Davon handelt jede große Heldenreise, egal ob in der Resilienzforschung, der Spiritualität, in Ein Kurs in Wundern oder in Kinderbuchklassikern wie Die Brüder Löwenherz. Es geht immer um Menschen, die innerlich wieder lebendig werden, ihrem Herzen folgen und das Vertrauen in sich selbst zurückgewinnen.

Was wir von den Blumen im Garten lernen können

Heilung ist eine Form der Selbstliebe. Du brauchst nichts Neues zu erschaffen, sondern darfst das pflegen, was längst da ist.

Du weißt ja, wie sehr ich meinen Garten liebe. Wenn ich morgens die Pflänzchen gieße, rede ich mit ihnen: „Geht es Dir gut? Stehst Du hier richtig? Hab Spaß heute und tu das, was Du am besten kannst: Strahlen und blühen!“

Ein Sonnenhut käme niemals auf die Idee, traurig zu sagen:

„Ich wäre viel lieber wie das Schleierkraut links von mir. Das ist so schön filigran. Ich versuche jetzt alles, um endlich Schleierkraut zu werden!“

Nein, der Sonnenhut blüht einfach als Sonnenhut, und das Schleierkraut als Schleierkraut. Genauso ist es bei Dir. Natürlich kannst Du an Deinen Potenzialen feilen und sie freilegen, aber Du kannst kein komplett neuer Mensch werden. Es ist viel leichter, Deine Stärken zu fördern, als mühsam Deine vermeintlichen Schwächen abzutrainieren.

Dazu empfehle ich Dir von Herzen den 20-minütigen Kurzfilm The Butterfly Circus. Er zeigt wunderschön, was passiert, wenn wir aufhören, uns über unsere Makel zu definieren, und erkennen, dass wir – egal unter welchen Bedingungen – immer etwas Wertvolles zu geben haben.

Heilung ist kein zähes Projekt

Wenn Du diesen einen bekannten Satz glauben könntest: „Nichts Wirkliches kann bedroht werden.“ Was würde das mit Dir machen?

Was, wenn unter all Deinem Alltagsstress, Deinen Ängsten und Selbstzweifeln ein Kern in Dir existiert, der vollkommen heil, unberührt und rein geblieben ist? Allein diese Vorstellung verändert alles!

Heilung im Geiste ist kein zähes Projekt, kein endloser Reparatur-Wettlauf. Heilung bedeutet vielmehr das Wieder-Erinnern an Deine Ganzheit. Wenn Du Dich daran erinnerst, wer Du unter all den Schichten aus Anpassung und Selbstkritik eigentlich schon immer warst, beginnst Du aufzuwachen. Du erkennst: „Ich bin genau richtig, genau hier, wo ich jetzt bin.“

Deine Übung für diese Woche: „Sagt mein Ego!“

Hast Du Lust, das direkt im Alltag zu üben?

Beobachte diese Woche einmal ganz wertfrei, wie oft Du denkst: „Ich müsste anders sein“ oder „Ich muss noch an mir arbeiten“. Immer wenn sich ein Gedanke gestresst und eng anfühlt – so, als würde Dir jemand die Kehle zudrücken –, hältst Du kurz inne.

Und dann hängst Du einfach diese drei magischen Worte an den Gedanken an:

„… sagt mein Ego.“ (Oder: „… sagt Egon!“)

Wenn Du also denkst: „Ich habe heute wieder überhaupt nichts auf die Reihe bekommen…“, ergänze gedanklich: „… sagt mein Ego.“ Ich liebe es, diesen inneren Antreibern Namen zu geben (bei mir heißen sie Egon oder Amy). In dem Moment, in dem Du das tust, nimmst Du dem Gedanken die Macht und merkst sofort, wie viel leichter es sich anfühlt.

Jetzt bist Du dran: Wann hattest Du das letzte Mal das Gefühl, eine unfertige Baustelle zu sein? Und was würde sich verändern, wenn Du diesen Gedanken jetzt einfach mal beiseite schiebst?

Schreibe mir Deine Erfahrungen, Gedanken oder auch Deine persönlichen Buch- und Filmtipps wahnsinnig gerne in die Kommentare! Ich freue mich riesig auf den Austausch mit Dir.

Ich danke Dir von Herzen fürs Zuhören und Mitlesen und wünsche Dir alles, alles Liebe!

Deine Jeanette

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Alles Liebe für Dich.

Deine Jeanette

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Jeanette Richter Spirituelles Stressmanagement

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