Die „wahre“ Geschichte vom Nikolaus
Vor Kurzem habe ich mir tatsächlich einen CD-Player gekauft und was soll ich sagen: mit dem Ding lassen sich nicht nur CDs abspielen, sondern sogar Kassetten. Kaaaaassssetttten, das sind die Plastikdinger mit LÜchern in der Mitte.
Und da hab ich doch gleich eine Kassette mit Kinderaufnahmen aus den Jahren 1972 â 1979 eingelegt und hĂśrte meine Eltern, meinen Bruder und mich. Mega!
Da wurde mir bewusst, dass ich wohl schon frĂźher gerne Geschichten erzählt habe. SchĂśn als 5-Jährige plapperte ich drauflos und erzählte und erzählte âŚ
Das habâ ich wohl von meinem good old Daddy;). Er erzählte uns Kindern nämlich auch immer selbst erfundene Geschichten, z. B. die Geschichte vom fliegenden Pfannkuchen oder von der Lampe, die ganz traurig war, weil sie mit ihrem Licht niemanden erfreuen konnte.
Und daher will ich Dir heute erzählen, wie sich das mit dem Nikolaus aus meiner Sicht wirklich zugetragen hat. đ
Also los âŚ
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ZugehĂśrige Podcastfolge
Es war einmal vor langer, langer Zeit âŚ
Neee, fangen wir anders an.
Ich heiĂe Nikolaus. Ich bin ein Mann, der vor echt gaaanz langer Zeit auf Eurer Erde in Myra in der Nähe von Antalya/TĂźrkei lebte. Und da ich es eh nicht so mit Jahreszahlen habe, lassen wir das an dieser Stelle einfach mal weg. Wen kĂźmmert es schon, ob ich 227, 387 vor Christus oder nach Jesus oder wann auch immer geboren wurde, das kann sich ja eh keiner merken.
Aber weiter ⌠ich war ein sehr gläubiger Mann. Ich glaubte an das Gute im Menschen, an Gott und an seine wundervolle SchÜpfung, fßr die ich echt dankbar war. Und wie das damals halt so war, wenn man mit der Kirche was am Hut hatte, wurde ich irgendwann zum Bischof gekrÜnt.
Ăbrigens wurde mein Bruder im Geiste, der auch Nikolaus hieĂ, an einem anderen Ort und 2 Jahrhunderte später â plus minus null â bekannt als Abt von Sion. Daher sind wir in Euren Erzählungen oft ein und dieselbe Person, denn uns beiden lagen die BedĂźrfnisse der Armen und Notleidenden sehr am Herzen. Nur damit Du Dich nicht wunderst!
Nun ja, ⌠in meiner Geschichte und meinem Leben war auch nicht immer alles eitel Freud und Sonnenschein (wie ßbrigens in keinem Leben, aber das nur am Rande). Denn zu meiner Zeit wurde man schon mal echt fies bestraft und in die Daumen gezwickt, wenn man eine andere Meinung vertrat oder nicht so spurte, wie sich die Obrigkeit das vorstellte.
Aber Schwamm drĂźber! Ist ja echt lange her! Die wussten es halt auch nicht besser.
Der Nikolaus und seine 3 TĂśchter
Doch weiter im Text âŚ
Eines Tages hÜrte ich von der Not eines guten Freundes. Seine 3 TÜchter sollten verheiratet werden, aber mein guter Freund hatte leider ßberhaupt keine Knete und das war damals sehr, sehr wichtig, wenn sich TÜchter vermählen wollten, denn ohne Moos war damals wie heute nicht wirklich viel los.
Also beschloss ich meinem lieben Freund zu helfen, doch sollte er davon nichts mitbekommen, denn das war ja Ehrensache. Ich wollte nicht, dass er sich mir gegenĂźber in irgendeiner Art und Weise verpflichtet fĂźhlte.
Deshalb ist es auch heute in Deiner Zeit noch das SchĂśnste Ăźberhaupt, wenn man was verschenkt, ohne sich selbst als âSchenkerâ zu outen. Das hat was!
Kurz und gut ⌠da ich durch meinen Job genug Geld hatte, sah mein Plan wie folgt aus:
Ich beschloss in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils ein GoldstĂźck durch die Fenster der Mädchenzimmer zu werfen und wie es der Zufall so wollte, traf ich jedes Mal genau in die Stiefel der HĂźbschen. Nein, ich habe nicht durch das geschlossene Fenster geworfen, ⌠ich habâs vorher aufgemacht. đ
Die Mädels machten natßrlich Augen, als sie am Morgen ihre Schuhe anziehen wollten und sich darin ein Goldstßck befand.
Auf jeden Fall freuten sich alle ganz arg und mein Freund konnte seine TĂśchter ohne Probleme verheiraten. Das freute mich sehr und alle waren zufrieden.
Das ist der Grund, warum ihr heute noch jedes Jahr Eure Stiefel am Vorabend des Nikolaustages vor Eure Haus- oder ZimmertĂźr stellt. Denn ihr hofft, dass ich wieder vorbeikomme und Euch auch was in den Stiefel lege. Und meistens klappt das ja, denn mittlerweile habe ich sehr, sehr viele Helfer.
Und eine davon kennt ihr sogar, ⌠ihr nennt sie Christkind. Das ist meine Schwester, die ist auch so drauf wie ich, nur hat sie viel schĂśnere Haare;) Sie hat später aber eine ganz andere âGeschenke-Abteilungâ Ăźbernommen.
Knecht Ruprecht â Treuer Helfer
Auch Knecht Ruprecht war ßbrigens ein sehr treuer Helfer, doch er ist in Euren Erzählungen etwas in Verruf geraten.
Es stimmt gar nichâ, dass er unartige Kinder verkloppte.
Er war eher eine Art âMotivationstrainerâ, wie man in Eurer Zeit sagt, denn er fĂźhrte mit den Kindern ernsthafte Gespräche und hĂśrte sich ihre Sorgen und NĂśte an.
Ja, und das tat dann manchmal etwas weh, wenn ein Kind entdeckte, dass es Angst vor der Dunkelheit hatte oder einfach aus Furcht ein paar echt unschĂśne Sachen anstellte.
Eure Schulen haben das später nur ein bisschen durcheinandergebracht und meinten aus pädagogischen Grßnden eine Bestrafungsnummer draus zu machen. Aber die haben sich einfach nur geirrt, denn irren ist ja menschlich! Jeder darf sich mal irren, auch mal Üfter, vergiss das nie!
Aber Knecht Ruprecht bestrafte niemanden, er war ein echt netter. Also lassâ Dir keine Angst einjagen, wenn Dir jemand was anderes erzählt. Du weiĂt es jetzt besser.
Falls Du Dich nun fragen solltest, wieso das Ganze denn am 6. Dezember stattfindet, so will ich Dir auch das erklären.
Am 6. Dezember habe ich nämlich das Zeitliche auf der Erde gesegnet. Das bedeutet, dass ich an diesem Tag starb.
Aber da ja niemand fßr immer tot ist, macht das ja nichts. Ich wollte das nur der Vollständigkeit halber erwähnen, falls Du Dich gewundert haben solltest, wieso das Ganze am 6. Dezember stattfindet.
Aber es ging noch weiter âŚ
Weil das so ein toller Erfolg war und sich so viele Menschen freuten, habe ich meinem treuen Freund Claas davon erzählt. Der wohnte im hohen Norden in einem echt abgelegenen Teil des Landes, nur Bäume ringsum, Schnee und Geklirre, also fßr mich wäre das ja nix gewesen, aber ihm gefiel es.
Claas und seine Rentierfarm
Und Claas hatte eine riesengroĂe Rentierfarm und benutzte seine Rentiere manchmal wie âSchlittenhundeâ.
Er spannte sie vor seinen groĂen Schlitten und wenn ich mal zu Besuch war, durfte ich auch mitfahren. Das sauste und brauste in den Ohren und die Haare flatterten im Wind und wenn âRed Noseâ, sein Lieblingsrentier einen guten Tag hatte, dann konnte es schon mal vorkommen, dass wir durch die LĂźfte wirbelten.
Das machte einen HeidenspaĂ, kann ich Dir sagen. Ups ⌠apropos Heiden âŚ
Also Claas (ihr kennt ihn heute als Santa Claus oder als Weihnachtsmann, denn den gibtâs wirklich;) war wie gesagt ganz begeistert von meiner Idee mit dem Schenken und wollte dies weiter âausbauenâ.
AuĂerdem hatte er Verwandte in Amerika, die ihn bei seinem Projekt unterstĂźtzen wollten. Die machten dann zwar später ihr eigenes Ding draus, aber egal.
So kam das mit Weihnachten und dem Weihnachtsbaum und den Kugeln und den SĂźĂigkeiten und hohohoooo, aber das war ja mein Nachfolger.
Und egal wo auf der Welt, ob die Leute an Jesus, an Susi oder an Trulla glaubten oder an gar nix, es sollte halt kein Kind an Weihnachten ohne ein Geschenk dasitzen.
Und weil Geld damals wie heute so wichtig erschien, haben sich ein paar schlaue Leute gedacht, dass man die ganze Idee doch auch gut fĂźr Erwachsene nutzen kĂśnnte. Ihr nennt das heute Marketing.
Und so ist Euer ganzer Weihnachtsrummel entstanden, bei dem Eure Eltern und Verwandte durch die Kaufhäuser hetzen, flitzen oder schlendern oder mittlerweile online shoppen gehen. Aber auch das ist vÜllig in Ordnung, solange aus dem Herzen heraus geschenkt wird.
Ganz wichtig: Der Weihnachtsmann ist nur fĂźr die Kindergeschenke zuständig! đ Die Erwachsenen beschenken einander, damit sie nicht leer ausgehen.
Und eins dĂźrft ihr nie vergessen, es fing alles mit mir an, dem Nikolaus.
Und wenn ihr Feste feiert, dann seid ihr bei den Menschen, die Euch am nächsten sind, die Euch lieb haben, auch wenn ihr die manchmal doof findet oder mit deren Ansichten ihr oft nicht einverstanden seid.
Aber das nennt man halt Familie. Und ob ihr sie wirklich sehen kĂśnnt oder nicht ist eigentlich auch egal, denn sie sind ja in Eurem Herzen zu Hause. Heute habt ihr Telefon. Wir hatten damals nur Brieftauben.
Meine Namensvetter
Ach ja, meine ganzen Namensvetter mĂśchte ich an dieser Stelle auch noch herzlich grĂźĂen, denn im Gedenken an mich habt ihr Eure Kinder nach mir benannt. Ihr nennt sie heute Niklas oder Klaus, Nils oder Niko, Nikola oder Nicole und manchmal sogar ganz oldschool Nikolaus. DafĂźr ganz herzlichen Dank.
Nun wĂźnsche ich Dir einen tollen Nikolaustag und vielleicht schenkst Du einfach mal in dieser Woche jemandem was, und sagst demjenigen nichâ, dass es von Dir kommt;) Das macht echt SpaĂ!
Alles Liebe
Deine Jeanette
P. S.: Falls Du Dir einen wirklich schĂśnen Weihnachtsfilm mit Deiner Familie anschauen mĂśchtest, hier mein Film-Tipp: âKlausâ. Kannste bei Netflix gucken;)