von Jeanette Richter | 30/12/2023 | Psychologie trifft Spiritualität |
Hast Du heute schon gut für Dich gesorgt? Ich bin sicher, dass Du das hast. Du hast was gegessen oder getrunken, hast Dich gewaschen oder Dich selbst angelächelt. Also hast Du Selbstfürsorge praktiziert- ganz selbstverständlich. Doch wahre SelfCare oder Selbstfürsorge besteht aus mehr als körperlicher Bedürfnisbefriedigung. Sie ist so essentiell für unser Wohlbefinden und unsere psychische wie physische Gesundheit.
Nur wenn wir auch auf uns selbst achten und unsere eigenen Bedürfnisse – auf allen Ebenen – stillen, können wir anderen wirklich mit Freude dienen und die Herausforderungen des Alltags meistern.
In diesem Artikel möchte ich Dir ein paar einfache Strategien und Tipps an die Hand geben, mit denen Du Deine eigene Selbstfürsorge stärken kannst. Denn „die stillen Helden des Alltags„, wie ich sie in einem früheren Beitrag genannt habe, verdienen unsere besondere Zuwendung.
Wie immer lade ich Dich ein, auch Deine eigenen Ideen und Erfahrungen mit Selbstfürsorge in den Kommentaren zu teilen. Gemeinsam können wir einander unterstützen und inspirieren, ein Leben in mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden zu führen.
Ich wünsche Dir viel Freude bei der Lektüre!
Zugehörige Podcastfolge
Was bedeutet das Wort SelfCare genau?
SelfCare bedeutet, dass Du gut für Dich selbst sorgst und Dich gut um Dich kümmerst. Bei dem Wort SelfCare geht es daher nicht nur um Wohlfühlen oder relaxtes Entspannen im heimischen Garten oder im eigenen Wohnzimmer. Das kann zwar auch ganz nett sein, aber hinter SelfCare steckt viel mehr.
Bei SelfCare geht es um Deine wahre Identität. Um ein Gewahrsein Deiner wahren Natur.
Denn sie drückt aus, wie Du zu Dir und Deinem wahren Selbst stehst. Welche Wahrnehmung Du von Dir selbst hast, also wie Du Dich selbst wahrnimmst, wie Du mit Dir selbst umgehst.
Denn von dieser Selbst-Wahrnehmung hängt ab, ob Du ein eher glückliches und damit „leichteres“ Leben oder ein eher stresserfülltes und damit anstrengenderes Leben führst.
SelfCare steht auch für die Art und Weise, wie Du Dein Leben führst (deshalb schreibe ich auch gerne Selbstfü(h)rsorge mit „h“). Du bist also Deine eigene Führungskraft!
Und SelfCare steht auch für Deine Einstellungen zum Leben!
Für Deine Einstellung zu Dir und dem Göttlichen in Dir!
Und von welchen Maximen, Prinzipien, Glaubenssätzen oder Überzeugungen Du Dich in Deinem Leben steuern lassen und wie Du Dich selbst und andere behandeln möchtest.
Und sie beinhaltet auch eine wichtige Komponente: Deine Einstellung zum Tod.
Oder wie Du mit der Tatsache Deiner eigenen Endlichkeit umgehst.
SelfCare drückt aus, WIE Du zu Dir stehst!
SelfCare steht für die Art und Weise, wie Du Dein Leben führst. Sie steht für Deine Einstellungen zum Leben! Für Deine Einstellung zu Dir!
Und von welchen Maximen, Prinzipien, Glaubenssätzen oder Überzeugungen Du Dich in Deinem Leben steuern lassen und wie Du Dich selbst und andere behandeln möchtest.

Deine Einstellung zum Ende
Und sie beinhaltet eben auch eine wichtige Komponente: Deine Einstellung zum Tod. Oder wie Du mit der Tatsache Deiner eigenen Endlichkeit umgehst.
Ignorierst Du sie oder hast Du sie integriert? In Dein kraftvolles Leben, um Dein Leben in Fülle zu leben?
SelfCare ist ein (Schein-)Anglizismus! Das Wort entstammt der englischen Sprache und wird aber mehr und mehr auch im deutschen Sprachraum verwendet.
Der Vorteil dieses englischen Wortes SelfCare ist, dass es viele Bedeutungen in sich vereint. Im Deutschen gibt es leider kein adäquates Wort dafür.
Oder vielleicht doch! Und zwar „Seelsorge“. Denn eigentlich geht es bei Self um den ganzheitlichen Aspekt des Menschsein. Um mentale, emotionale, spirituelle, körperliche und soziale Aspekte. Doch dazu später mehr.
SelfCare setzt sich aus 2 englischen Worten zusammen: Self und Care! Und ich schreibe es auch am liebsten so: SelfCare.
Wörtlich übersetzt bedeutet „Self“ = Selbst oder „selber“ und „Care“ = sich pflegen, sich kümmern, für jemanden sorgen, jemanden versorgen oder pflegen. Oder wie in „do care“: Kümmer’ Dich! oder wie in „take care“: Pass gut auf Dich auf!
SelfCare als Selbstfürsorge
Du kannst also SelfCare im weitesten Sinne als Selbstfürsorge oder Selbstpflege, Selbstannahme oder Selbstverantwortung übersetzen.
Oder wie ich es eben verstehe:
SelfCare als praktizierte Selbstwertschätzung. Das Wort „Self“ deutet auch darauf hin, dass nur Du selbst es tun kannst und niemand für Dich.
Dass Du selbst für Dein Wohlergehen und Dein Glück verantwortlich bist und kein anderer. Du siehst also, in dem Wort SelfCare steckt so allerhand und hinter dem Wort verbirgt sich so manches, was dienlich und nützlich für Dich ist.
Such’ Dir einfach das Wort aus, das Dir am besten gefällt.
Zusammengefasst lässt sich sagen:
SelfCare drückt die Art und Weise aus, wie ich mich selbst wertschätzend um mich selbst kümmern möchte, ohne andere dabei zu vernachlässigen.
Selbstfürsorge oder Egoismus?
SelfCare ist eine gesunde Form der Selbstliebe, bei der Du Dich selbst und Deine Mitmenschen im Fokus behältst.
Das unterscheidet Selbstfürsorge vom „starren“ Egoismus.
Egoismus ist eine Haltung, die gekennzeichnet ist durch das Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person. Nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche, ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer.
Egoismus wird auch bezeichnet als Selbstsucht, Ichsucht oder übertriebener Eigenliebe.
Aber ohne Eigenliebe oder Selbstliebe funktioniert keine SelfCare.
Wir können anderen nur geben, was wir selbst besitzen. Und wenn Du keine Energie, keine Kraft, keine Power mehr hast, dann kannst Du auch anderen nichts geben und nicht gut für andere da sein.
Denn: Zwei Ertrinkende können sich schlecht gegenseitig retten!
Egoismus kann daher auch als eine Art Lehre verstanden werden, nach der alles, auch das altruistische (= selbstlose, uneigennützige) Handeln, auf Selbstliebe beruht.
Im Buddhismus wird zum Beispiel gelehrt, dass ein Mensch erst dann gut für andere sorgen oder ihnen dienen kann, wenn er selbst sein „ICH“ angenommen und gut für sich gesorgt hat.
Bist Du schon einmal geflogen? Ja? Dann kennst Du das ja sicher. Bevor die Maschine abhebt, verliest die Stewardess oder der Steward (heute heißt das ja FlugbegleiterIn) die Sicherheitsregeln.
Eine Regel lautet wie folgt
… Im Falle eines Druckabfalls setzen Sie sich bitte zuerst selbst die aus der Decke fallende Sauerstoffmaske auf, und kümmern sich dann um ihren Nachbarn!
Also ist ein gesunder Egoismus Bestandteil jeder SelfCare. Sie gehört zur gesunden Selbstfürsorge!
Erst wenn es uns gut geht, haben wir auch die Kraft uns um andere zu kümmern. Deshalb ist ein gesunder Egoismus wichtig! Denn wir helfen damit uns und anderen!
Nur wer auch (nicht ausschließlich) an sich und seine Bedürfnisse denkt und diese nicht vernachlässigt, kann in einem Zustand der Fülle leben.
Wer dagegen ständig in einem Zustand des Mangels lebt und glaubt, ihm fehle etwas oder er müsse ständig aufpassen, nicht zu kurz zu kommen oder übervorteilt zu werden, der wird anderen vorwerfen, egoistisch zu handeln.
Du bist also nicht egoistisch oder selbstsüchtig, wenn Du Dich gut um Dich selbst kümmerst. Du bist nur zufriedener!
Daher beinhaltet jede SelfCare praktizierte Selbst-Wertschätzung und ist ein effektiver und alltäglicher Hausputz für Deine Seele.

Die 5+1 Aspekte der Selbstfürsorge
SelfCare ist höchstpersönlich und ganz individuell. Daher kann gesunde Selbstfü(h)rsorge auch für jeden anders aussehen.
Das kennen wir schon aus der Stressforschung. Denn genau wie beim Stress ist nicht für jeden die gleiche Situation stressig. Jeder erlebt und bewertet Stress anders. Was dem einen gut tut, lässt den anderen ganz kalt.
So ist es auch bei SelfCare: Was dem einen gut tut, löst beim anderen eher Stress aus!
Doch eines ist allen gleich: Es geht immer um den wichtigsten Menschen in Deinem Leben – um DICH!
Daher finde heraus, was DIR gut tut und integriere das dann in Deinen Alltag und mach es Dir zur Gewohnheit.
Deine SelfCare oder Selbstfürsorge kannst Du auf 5 Ebenen bzw. durch 5 +1 Aspekte verbessern.
- physischer Aspekt
- sozialer Aspekt
- mentaler Aspekt
- emotionaler Aspekt
- spiritueller Aspekt
- praktischer Aspekt
1. Der körperliche (physische) Aspekt
Alles was hierunter fällt, dient Deinem körperlichen Wohlergehen.
Beim körperlichen Aspekt geht es um Bewegung jeglicher Art. Dazu zählt bewusstes Treppensteigen ebenso wie Hausputz, Gartenarbeit, Joggen, Walken, Fitnesstraining, Gymnastik, etc.
Auch die Ernährung zählt dazu. Nicht immer nur FastFood essen, sondern auch mal was anderes. Und es geht um Dein Entspannungs- und Ruhebedürfnis.
Und um den Schlaf bzw. Deine Schlafgewohnheiten. Wer länger als 14 Tage am Stück schlecht schläft, sollte sich darum kümmern. Es geht auch um Dein äußerliches Erscheinungsbild, um Pflege und Hygiene. Auch um Deine Zähne.
Beim körperlichen Aspekt geht es also ganz allgemein gesprochen um das „Haus“ in dem DU wohnst.
Wenn das kein „Heim“ für Dich ist, sondern eher eine Bruchbude, ein gammeliges Kabuff oder eine Notunterkunft, dann leidet Deine SelfCare.
Du merkst, dass dieser Aspekt bei Dir ausgewogen ist, wenn Du genug Energie und Power besitzt, wenn Du Dich entspannt und ausgeruht fühlst oder Du diesen Umstand binnen 1-2 Tagen wieder herstellen kannst.
Und Du merkst das auch daran, wenn Du seltener „normal“ krank bist, weniger Allergien hast und wenn Du weniger stressbedingte Beschwerden aufweist.
2. Der mentale Aspekt
Beim mentalen Aspekt geht es um Deine Einstellungen, Deine mentalen Konstrukte und um Deine Gedanken. Besser gesagt, um die Art und Weise, wie DU denkst.
Hier geht es um Bewertungen, Meinungen und Urteile, die Du über Dich selbst oder andere oder die Welt hast bzw. fällst.
Denn wie schon Epiktet vor mehr als 2000 Jahren sagte:
„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Beurteilungen über die Dinge.“ (Epiktet 55 n. Chr. – 135 n. Chr.)
3. Der emotionale Aspekt
Beim emotionalen Aspekt geht es um Deine Gefühle und wie Du sie ausagierst.
Wenn Du Deine Gefühle nicht kontrollieren kannst, wirst Du zum Sklaven Deiner eigenen Emotions. Das ist weder prickelnd für Dich, noch für Deine Mitmenschen, noch zeugt es von großer Geistesstärke.
Es geht nicht darum, Deine Gefühle zu unterdrücken, sondern diese liebevoll umzuwandeln, indem Du Deine „negativen“ Gefühle annimmst.
Dein Herz ist genauso wichtig, wie Dein Kopp“.
4. Der spirituelle Aspekt
Beim spirituellen Aspekt der Selbstfürsorge geht es um Dein Eingebundensein in dieser Welt.
Auch um Deinen Glauben, Deine Werte und Normen – all das, was Dir und Deinem Leben Sinn, Halt und Orientierung gibt.
Das kann Deine Ursprungsreligion sein oder Meditation, christliche Arbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit.
Wichtig ist nur, dass Du Dich mit Deiner spirituellen Dimension beschäftigst und klar für Dich kriegst, was Du damit verbindest.
Also was für Dich Spiritualität bedeutet.
Viele antworten auf die Frage: „Glaubst Du an Gott oder eine übergeordnete Macht oder ein Prinzip?“ mit dem Satz: „Also ich bin kein Kirchgänger, aber ….!“
Spiritualität kann Religiosität beinhalten – muss es aber nicht.
Wenn Du Dir selbst kein Geheimnis bleiben möchtest, frage Dich also:
- Was ist mir wichtig und warum?
- Wie schaut mein Wozu im Leben aus?
- An was orientiere ich mich?
- Wem oder was habe ich noch nicht vergeben?
- Was gibt mir Halt, Kraft und Stärke?
- Welche Rituale praktiziere ich jeden Tag?
- Wie sieht es aus mit meinem Glauben?
- Wonach richte ich mich aus?
- Was bedeutet für mich das Wort Spiritualität?
5. Der soziale Aspekt
Hier geht es um Ausgewogenheit zwischen Deinem Bedürfnis nach Gemeinschaft und Deinem Bedürfnis nach Sich-Zurückziehen oder Alleinsein.
Denn wir sind soziale Wesen und brauchen Menschen, die wir lieben können und die uns lieben.
Viele Menschen brauchen das Gefühl der Zugehörigkeit, denn sie wollen sich mit anderen Menschen verbunden fühlen und von diesen z. B. gehört, gesehen und gefühlt werden.
Ich bin gerne Solist – aber nicht nur!
Auch wenn wir gut alleine sein können, heißt das nicht, dass wir komplett auf andere Menschen verzichten können. Wenn wir das tun, dann findet kaum mehr soziales Lernen statt.
Der Mensch wird am Du zum Ich
„Der Mensch wird am DU zum ICH!“, sagte schon Martin Buber. Und jeder von uns kann das bestätigen. Gemeint ist, dass der Mensch seine Identität in Beziehung und Relation zu seiner Umwelt bildet.
Erst die Begegnung mit dem anderen, dem „DU“, ermöglicht die Bildung eines eigenen „ICH“. Und hier muss sich das eigene „ICH“ immer wieder gegenüber dem „DU“ abgrenzen, seine eigenen Grenzen kennen, ausloten oder auch mal überschreiten.
Denn wie oft haben wir gerade erst durch einen anderen Menschen wieder etwas über uns selbst gelernt.
Wir Menschen adaptieren gerne, ahmen gerne nach und orientieren uns an anderen.
Vergleiche Dich nicht so oft mit anderen
Doch dabei müssen wir ständig aufpassen, dass wir uns nicht im anderen verlieren oder nur noch für ihn oder sie leben. Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht am Vergleich zerbrechen oder uns ständig unwohl fühlen, weil wir uns mit anderen vergleichen.
Und wenn uns das dann doch passiert, dann dürfen wir vergeben oder lernen, uns mit dem auszusöhnen, was uns so stresst.
Das sagt auch folgendes Zitat, dessen Verfasser leider unbekannt ist:
„Wenn es Dir so richtig schlecht gehen soll, dann vergleiche Dich mit anderen!“
Wir lernen von anderen Menschen und entwickeln uns weiter, weil sie uns anstoßen, weiterschubsen, mal sanft, mal nachdrücklich.
Auch spiegeln wir uns in anderen Menschen wider, fühlen mit ihnen, entwickeln Empathie und Mitgefühl für ihre Sorgen und Nöte.
Und wir könnten noch einen 5+1, einen 6. Aspekt hinzufügen: den praktischen Aspekt der Selbstfürsorge.
6. Der praktische Aspekt
Alles Wissen bringt nichts, wenn es nicht umgesetzt wird.
Dann sind es nur mentale „Klugscheißereien“.
In der praktischen Dimension geht es um Dein TUN! Um Struktur und Routine. Um die Art und Weise, wie Du es schaffst – ganz konkret und praktisch – Deinen Alltag so zu gestalten, dass alles was Du tust ein Ausdruck dessen bist, was und wer Du bist oder sein willst.
Das bedeutet permanentes Üben. Denn Rom oder andere Städte wurden ja auch nicht an einem Tag erbaut. Und Meister fallen auch nicht vom Himmel.
Aber Du kannst ein Meister Deiner persönlichen Lebensgestaltung werden – wenn Du Dich dafür entscheidest und Dich wieder daran erinnerst, wer oder was Du in Wahrheit sein willst. Rituale können helfen, Deinen Tag zu strukturieren bzw. den Fokus auf das Wesentliche gleich zu Beginn des Tages zu richten.
“Du musst Dein Ändern leben!“
von Jeanette Richter | 16/11/2023 | Psychologie trifft Spiritualität |
Stress ist ein uralter Überlebensmechanismus, der Dir bzw. Deinem Körper dabei hilft, schnell und ohne großes Nachdenken zu reagieren und aus einer Gefahrenzone zu entfliehen. Daher ist Stress eine total sinnvolle „Erfindung“ der Natur, denn er will Dich eigentlich nur beschützen.
In früheren Zeiten war Stress eine lebenswichtige Reaktion auf Gefahrensituationen, wie zum Beispiel die Begegnung mit einem wilden Tier.
Und auch heute noch ist oder kann er Dein Überleben oder das anderer Wesen sichern, indem er den Körper dazu veranlasst, in Sekundenschnelle Hormone wie z. B. Adrenalin auszuschütten und dadurch Deine Leistungsfähigkeit zu steigern.
„Stress tritt immer dann auf, wenn es nicht so läuft, wie ich (mein Ego) das will!“ Dr. Mirriam Prieß
Arten von Stress
Es gibt zwei Arten von Stress: Eu-Stress und Dis-Stress.
- Eu-Stress, auch als positiver Stress bezeichnet, ist der Stress, der uns motiviert und antreibt. Er kann uns helfen, Herausforderungen anzunehmen, Ziele zu erreichen und unsere Leistungsfähigkeit zu steigern. Eigentlich ist das eher eine Art „Flow-Zustand“, der Dich auf positive Art und Weise heraus-fordert.
- Anders ausgedrückt: EU = LIEBE = als angenehm empfundene Herausforderung
- Dis-Stress hingegen ist der negative Stress, der uns belastet und überfordert. Dieser Stress kann zu körperlichen und psychischen Beschwerden führen, wenn er chronisch wird. Von dieser Art Stress sprechen die meisten, wenn sie sich im Stress fühlen.
- Anders ausgedrückt: DIS = ANGST = als unangenehm empfundene Belastung
Eine Definition für Stress
Stress ist ein subjektiver Zustand, in dem sich der betreffende Mensch einer unangenehmen Situation ausgesetzt fühlt, auf die er erstmal keinen oder wenig Einfluss und damit kaum Kontrolle hat. Er kann die Umstände nicht beeinflussen, noch vermeiden. Er fühlt sich gestresst.
Stress ist …
- ein Zustand der Alarmbereitschaft des Organismus, der sich auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft einstellt.
- ein Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen, die an Dich gestellt werden und Deinen Möglichkeiten und Ressourcen, um diese Anforderungen zu bewältigen.
- eine natürliche körperliche Reaktion auf psychische oder körperliche Belastungen. Sie dient dazu, in angenommenen oder realen Gefahrensituationen kurzfristig die Leistungsbereitschaft zu erhöhen.5
- nichts anderes als eine Form der Angst.
Verschiedene Stressfaktoren sind an der Entstehung von Stress beteiligt. Dabei handelt es sich um innere sowie äußere Reize, die eine Reaktion oder Anpassung verursachen. Ob diese Stressfaktoren nun negativ oder positiv aufgenommen werden, hängt stark von der Stresstoleranz des Einzelnen ab und auch von seinem erlernten Umgang damit.
Wie entsteht Stress?
Stress entsteht dann, wenn die notwendigen Kompetenzen zur Bewältigung der Situation fehlen oder jemand kaum mehr Ressourcen hat, um diese zu bewältigen.
Sprich: Ihm fehlt die Kraft (Ressourcen) und er weiß auch nicht, wie er das jetzt angehen soll (Kompetenzen).
ABER: Stress ist IMMER ein subjektiver Zustand. Das bedeutet, dass nicht jeder auf dieselbe Herausforderung gleich reagiert.
Daher spielt die subjektive Bewertung einer Situation eine entscheidende Rolle.
Dies wird auch durch folgende Aussprüche bzw. Zitate ersichtlich:
„Die Welt ist das, was wir aus ihr machen!“
oder
„Du bist, was Du denkst. Alles entsteht durch Deine Gedanken. Mit Deinen Gedanken formst Du die Welt. “ Buddha
oder
„Stress ist das, was Du d’raus machst.“
MERKE: Stress entsteht NICHT allein durch die Situation, sondern wie Du ÜBER diese denkst, also welche Einstellung Du ZU der Situation hast. Erst wenn Du glaubst, dieser nicht gewachsen zu sein, erlebst Du Stress (Dis-Stress). Deine Sichtweise ist also von entscheidender Bedeutung!
Mehr Informationen zu den Gründen für diese unterschiedlichen Bewertungssysteme und warum Du mal so und dann mal wieder anders und damit vielleicht sogar mit Stress reagierst, findest Du in diesem Artikel „12 Dinge, die ich durch den Stress lernte“
Ursachen für ungesunden Stress
Die Ursachen für ungesunden Stress sind sehr, sehr vielfältig, denn …
Was den einen stresst, lässt den anderen völlig kalt.
Doch in erster Linie ist es Deine Einstellung zu einer stressauslösenden Situation und nicht die Situation selbst, die Dich in Stress versetzt.
WICHTIG: Deshalb heißt es auch Stress-Management, also „managen“ = händeln oder bewältigen und daher managst Du nicht wirklich Deinen Stress, sondern Deine Einstellung und Deine Gedanken zum Stresserleben.
Ungesunder Stress kann zum Beispiel entstehen durch …
- hohe Arbeitsbelastung,
- zwischenmenschliche Konflikte,
- finanzielle Sorgen,
- Existenz- oder Zukunftsängste,
- Angst vor dem Sterben oder dem Tod,
- Lebensängste,
- Zeitdruck,
- zu hohe Erwartungen an Dich selbst,
- negative Prägungen aus der Kindheit,
- Perfektionsstreben,
- Ungeduld,
- nicht „Nein-Sagen“ können
- …
Doch jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Stressoren, daher können die Auslöser von Stress individuell verschieden sein.
„Stress ist immer höchstpersönlich und individuell. Was den einen stresst, lässt den anderen ganz kalt.“ Jeanette Richter
Wann fühlen wir uns gestresst?
Wir fühlen uns gestresst, wenn wir das Gefühl haben, dass die Anforderungen und Erwartungen an uns unsere Fähigkeiten und Ressourcen übersteigen.
Wenn Du zum Beispiel das Gefühl hast, keine Kontrolle mehr über eine Situation zu haben oder wenn Du Dich mit vielen Aufgaben gleichzeitig konfrontiert siehst. Das stresst dann enorm.
MERKE: Die Art und Intensität des Stresses kann von Person zu Person unterschiedlich sein.
Woran erkennst Du, dass Du gestresst bist?
Jeder erlebt Stress anders. Die Symptome von Stress können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich. Daher ist es wichtig, dass Du Dir darüber im Klaren wirst, wie sich ein erhöhtes Stresserleben bei Dir bemerkbar macht.
- Du spürst vielleicht Dein Herz rasen oder bekommst rote Wangen (körperliche Symptome)
- Vielleicht fühlst Du Dich auch gereizt oder hast eine „kurze Zündschnur“ (emotionale Symptome)
- Manchmal isst Du mehr oder tust nicht so nette Dinge, wie z.B. Türen knallen oder lauter werden. (Verhaltens-Symptome)
- Es kann auch sein, dass Du fiese oder nicht so nette Gedanken über Dich oder andere hegst. (mentale Symptome)
Noch ein paar Anzeichen, die Dich erkennen lassen, dass Du gerade mächtig unter Stress stehst:
- körperliche Beschwerden,
- Unruhe-Gefühle,
- häufige Infekte oder Allergien,
- Kopfschmerzen,
- Schlafstörungen,
- Muskelverspannungen,
- Magenprobleme oder
- ein geschwächtes Immunsystem sein.
Auch psychische Symptome wie Reizbarkeit, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, Angstzustände oder depressive Verstimmungen können auf Stress hinweisen.
Ist jeder Stress schädlich?
Nein, nicht jeder Stress ist schädlich. Ein gewisses Maß an Stress kann uns motivieren und zu Höchstleistungen antreiben.
Kurzfristiger Stress kann Dir zum Beispiel helfen, in einer Prüfungssituation konzentriert zu bleiben oder in einer stressigen Arbeitssituation produktiv zu sein.
Ein gesundes Stressniveau ist wichtig, um Herausforderungen anzunehmen und persönliches Wachstum zu fördern.
Es wird erst dann problematisch, wenn der Stress chronisch wird und Du Dir keine ausreichenden Erholungsphasen mehr gönnst, nur noch arbeitest und Dich selbst aus den Augen verlierst.
Folgen von chronischem Stress
Chronischer Stress kann sich negativ auf Deine körperliche und geistige Gesundheit auswirken. Denn langfristiger Stress schwächt Dein Immunsystem und kann das Risiko für Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden oder psychische Störungen erhöhen.
Außerdem führt chronischer Stress langfristig zu Schlafstörungen, Erschöpfung und zu Angstzuständen und schlimmstenfalls sogar zu Depressionen und Burnout.
Daher ist es wichtig, dass Du Deine Stresssymptome im Blick behältst und Dich nicht dauerhaft überforderst, sondern Dir auch immer mal wieder kleine Ruhezeiten und Auszeiten gönnst oder geeignete Maßnahmen zur Stressbewältigung ergreifst.
Strategien zur Stressbewältigung
Um Deinen ungesunden Stress erfolgreich zu bewältigen, brauchst Du gar nicht so viel. Was es aber braucht, ist eine andere Einstellung zu den „Dingen“. Hier habe ich Dir mal ein paar Wege aufgelistet, wie Du Deinen Stress und damit Dein Lebensglück wieder in den Griff bekommst:
- Mach mal blau (im Kopf): Meditation ist wie ein Kurzurlaub für Dein Gehirn. Du musst nicht gleich zum Buddha werden, aber ein paar Minuten am Tag, in denen Du einfach mal die Augen schließt und Deinen Gedanken beim Wandern zusiehst, können Wunder wirken. Stell Dir vor, Du sitzt am Strand und lässt Deine Sorgen mit den Wellen davon spülen.
- Tanz mit dem Tod: Klingt vielleicht erstmal morbide, aber der bewusste Umgang mit der Vergänglichkeit kann unglaublich befreiend sein. Wenn Du Dir klarmachst, dass am Ende des Tages alles vergänglich ist, relativieren sich viele Stressfaktoren. Ein kleines tägliches Ritual, bei dem Du Dir diese Vergänglichkeit bewusst machst, kann helfen, den Stress nicht zu ernst zu nehmen.
- Raus in die Natur: Bäume sind die besten Zuhörer und der Wald der beste Therapeut. Ein Spaziergang im Grünen ist nicht nur gut für Deine Lungen, sondern auch für Deine Seele. Die Natur erinnert Dich daran, dass alles seinen Rhythmus hat – und Stress ist da keine Ausnahme.
- Lach Dich schlapp: Humor ist, wenn man trotzdem lacht, richtig? Also such Dir was, das Dich zum Kichern bringt. Eine gute Comedy-Serie, ein lustiges Buch oder einfach nur lustige Katzenvideos im Internet. Lachen entspannt und setzt Glückshormone frei.
- Schreib’s von der Seele: Manchmal hilft es, den ganzen Kram, der Dich belastet, einfach mal aufzuschreiben. Das kann ein Tagebuch sein, ein Brief an Dich selbst oder ein Gedicht über das Chaos in Deinem Kopf. Das Schreiben hilft Dir, Deine Gedanken zu sortieren und den Stress zu kanalisieren. Weitere Tipps dazu findest Du hier: 11 Tipps zur Stressimpfung
- Sag mal „Nein“: Du musst nicht immer allen gefallen. Es ist wichtig, auch mal Grenzen zu setzen und Nein zu sagen, wenn der Kragen platzt. Du bist kein Superheld (oder doch?), also übernimm Dich nicht. Dein innerer Frieden wird es Dir danken.
- Sei Dein eigener Guru: Du kennst Dich am besten. Vielleicht hilft Dir ein Hobby, bei dem Du abschalten kannst, oder Du findest Ruhe beim Backen, Malen, Meditieren oder Musizieren. Vielleicht ist es auch die spirituelle Beschäftigung mit dem großen Ganzen, die Dir hilft, den Stress kleinzuhalten. Finde Deine eigene Medizin – und wenn das bedeutet, dass Du beim Yoga im Lotussitz einschläfst, dann ist das eben so.
Und noch 2 Extra-Tipps:
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- Verändere Deine Überzeugungen und arbeite an einer positiven Denkweise: Positive Überzeugungen und eine optimistische Denkweise können dabei helfen, Stress besser zu bewältigen. Arbeite an Deinem Mindset und versuche, negative Gedanken durch positive zu ersetzen.
- Akzeptiere und liebe Dich selbst: Selbstakzeptanz und Selbstliebe sind wichtige Bausteine für die Stressbewältigung. Akzeptiere Dich so, wie Du bist, und lerne, Dich selbst zu lieben. Sei geduldig mit Dir selbst und gönne Dir regelmäßig Auszeiten, um Dich zu entspannen und aufzutanken.
Buch-Tipps
Also vergiss nicht: Es ist vollkommen normal, sich manchmal gestresst zu fühlen. Wichtig ist, dass Du Strategien hast, um damit umzugehen. Probier verschiedene Dinge aus und finde heraus, was für Dich am besten funktioniert. Und denk daran: Du bist nicht allein!
Wenn Du hierfür Unterstützung brauchst, dann vereinbare gerne eine kostenfreies und
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